23
Apr

115 | Feuerwehrchor Schall und Rauch

Fürstenfelde. Einwohnerzahl: Ungerade. Ist mein liebster Satz aus “Vor dem Fest”. Der wird im Stück am Thalia Gaußstraße nur einmal ganz am Ende ansatzweise zitiert: “Fürstenfelde. Einwohnerzahl: unverändert”. Auch schön. Aber nicht so schön, wie der andere Satz. Das kommt auch aus dem Buch: “Es ist schön hier, aber nicht so schön wie woanders”. Es steht als letzte Notiz in meinem Buch (zweimal unterstrichen): würdig. Denn das war dieses Stück. Dem Buch würdig. Manchmal wird die literarische Vorlage ja nur mit Füßen getreten und als Sprungbrett missbraucht. Die Inszenierung von Charlotte Sprenger bleibt (textlich und erzählerisch) nah am Buch. Entwickelt aber eigene Charaktere und setzt eigene Prioritäten.

04
Mar

105 | Wir essen ihre Kunst

Der Sylvesterabend war schon immer das große Versprechen davon, dass alles anders werden kann. Ein Tag, der sich selbst in den Schwanz beißt. Irgendwo zwischen den Jahren. Ich mag dieses Wort. Diesen Satz. Zwischen den Jahren. Er lässt Jahre weniger wie Maße der Dinge und mehr wie Dinge selbst wirken. Dinge, zwischen denen Raum sein kann. In dem es gar keine Termine und Uhrzeiten geben kann. Weil kein Jahr da ist, in dem sie sein könnten. Zwischen den Jahren, dieser eine Tag, von dem wir glauben, er könnte den Unterschied machen. Blei wird geschmolzen (verbotener Weise) und fällt zischend in die eine Porzellanschale, die eh nicht so gut ist. Ein Windhund - sagt das beigelegte Heft und Oma. Das neue Jahr wird laufen.

08
Jan

94 | A man lost in time wie im KaDeWe

An den Kultfilm von Nicolas Roeg aus ‘76 schließt sich Lazarus an. Der irische Dramatiker Enda Walsh schrieb um eine Sammlung Bowie Songs ein Stück, das den Zwischenwelt-Aufenthalt eines Aliens und sein Hadern mit Menschheit und Sterblichkeit elaboriert. Das wirre Ergebnis war bis vor kurzem am Deutschen Schauspielhaus zu sehen und kam dem Film zumindest dahingehend nahe, dass alles eigentlich durchgehend auf 10g Kokain war und keine wirkliche Schirmung davon hatte, wo es sich gerade befindet. Ungefähr so wie Bowie nach eigener Aussage am Set von “Der Mann, der vom Himmel fiel”.

29
Dec

92 | Notizen zu Lazarus (D)

Zusammen mit dem Iren Enda Walsh schrieb David Bowie kurz vor seinem Tod ein Musical, das an die Geschichte des Films “Der Mann, der vom Himmel fiel” von Nicolas Roeg anknüpfte, in dem Bowie die gleichnamige Hauptrolle spielte. Newton, auf die Erde gesandt um Wasser zu finden, verliebt sich, scheitert an der menschlichen Zivilisation und verweilt als Unsterblicher unter uns. Seine Dämonen verfolgen ihn, er bezwingt sie (vermeintlich) mit Gin und Frühstücksflocken. Am Deutschen Schauspielhaus aufgeführt als Spektakel in der Zwischenwelt, das sind die Notizen, komplette Kritik kommt die Tage. Aktueller Arbeitstitel: “A man lost in time wie im KDW”.

13
Jun

60 | Es wird Herta

Mein strukturiertes Leben hat gestern um 11 Uhr geendet. Ich hatte meinem Deutschlehrer versprochen (oder gedroht, je nachdem, wen man fragt), dass, wenn ich schon mit den Schriftlichen bestehen würde, ich bei der Mündlichen komplett abdrehen würde. Feuerwerk. Mein Ziel für die mündliche Prüfung in Deutsch war, eine Prüfung zu halten, die keine ist, noch eine sein will. Die sich dem Zugriff durch schulische Bewertungssysteme komplett entzieht und sich trotzdem an alle Konventionen hält. Und so als Prüfung bewertbar bleibt. Die ich für mich und nicht für die Punkte mache. Ich wollte etwas erschaffen, was ab dann immer als das: “Ja, das geht” in Erinnerung bleibt. Etwas machen, was noch nie jemand gemacht hat. Und so habe ich meine mündliche Prüfung als ein 15-Minütiges Konzepttheaterstück inszeniert, in dem ich mich selber verhöre.

15
May

52 | Vierzig zu Eins

Gestern Abend war ich noch im Thalia, in “Panikherz”. Handelt von einem magersüchtigen Rolling-Stone Reporter, der seine Magersucht mit Kokain überkommt und nebenbei ein riesen Lindenberg Fan ist. Der Satz, der für mich definierend war: “Ich stecke mir die elektrische Zahnbürste in den Kopf”. Technisch richtig, der Mund ist Teil des Kopfes, und doch irgendwie unangenehm, diese Formulierung. Aber es ist doch so. Das ist kein Mund mehr. Das ist bloß eine Körperöffnung.

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