04
Mar

105 | Wir essen ihre Kunst

Der Sylvesterabend war schon immer das große Versprechen davon, dass alles anders werden kann. Ein Tag, der sich selbst in den Schwanz beißt. Irgendwo zwischen den Jahren. Ich mag dieses Wort. Diesen Satz. Zwischen den Jahren. Er lässt Jahre weniger wie Maße der Dinge und mehr wie Dinge selbst wirken. Dinge, zwischen denen Raum sein kann. In dem es gar keine Termine und Uhrzeiten geben kann. Weil kein Jahr da ist, in dem sie sein könnten. Zwischen den Jahren, dieser eine Tag, von dem wir glauben, er könnte den Unterschied machen. Blei wird geschmolzen (verbotener Weise) und fällt zischend in die eine Porzellanschale, die eh nicht so gut ist. Ein Windhund - sagt das beigelegte Heft und Oma. Das neue Jahr wird laufen.

Von dieser magischen Nacht handelt das erste der beiden Stücke, die wir im Rahmen des Plattform-Festivals, dieses Jahr unter der Überschrift “läuft”, am Ernst-Deutsch-Theater neulich Donnerstags gesehen haben. Jetzt nicht weil wir sonderliche Theaterkenner sind oder so. Tilman hatte mitgespielt (beim Zweiten aber nur). Beide Stücke vom Backstage des SchauSpielHaus. Beide zum Thema “Glam is all you need” (but is it enough?)

vom fertig werden (sein)

1: “Hast du Vorsätze?”
2: “Mehr rauchen… Alben auch mal als Ganzes genießen.”

Ist das Kleid gut so?

3: “Und?”
2: “mhhhh… ne”
1: “neee”
1,4: “nö”

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Und wenn das grüne Licht nicht da ist?

26: “Da ganz hinten schaut der durch”
2: “Und hier ist der Tunnel, wo der Fluss durchkommt.”
26: “So 50km”
2: “Hier schwimmen dann so Containerschiffe durch”
26: “Kann Leonardo DiCaprio die Choreo?”
2: “Und wenn jetzt das grüne Licht nicht da ist?”
26: “Ja dann müssen die sich das auch vorstellen.”

Immer wieder rennen 3 über die Bühne. Ich versteh ja, was das soll. Struktur aufbrechen und so. Aber leider wirken deren Dialoge viel gestellter als die Szenendialoge. Das bricht nicht nur auf. Das bricht auch kaputt. Und Englisch kommt irgendwie fast immer whack.

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Gutes Aussehen alleine ist uns keineswegs genug

(1: “Hast du Vorsätze?”)
3: “Ich darf mich nicht verlieben…”

Also die Stelle mit den Sprachnachrichten knallt. Einfach geiler Medieneinsatz. Mich fucken ja solche WhatsApp-Chats in Filmen immer ab. Aber DAS hatte wumms.

3001: “Manieren sind unhöflich, weil gelernt”
Chor: “Aber es muss sein!”

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Youtube


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'Man, I can't see fucking shit outta' this thing.'

Die Papierkopfszene erinnert mich schon stark an die Klu-Klux-Klan Szene aus Django Unchained.

3: “Paris ist die schönste Stadt der Welt. Da können wir Wein trinken, Croissants esssen und Zigaretten rauchen.”
26: “Schön… schön.”

3001: “Und Diamanten und Klamotten”

1: “Mir wird echt schlecht von diesem Laugengebäck”

Ich war mal mit Jerome in Karlsruhe. Da hatte ich das beste Laugenbrötchen seit langem. Seitdem geier ich ständig auf Laugengebäck.

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26: “Da würde ich dich jetzt an den sozialpsychischen Dienst verweisen- [verzweifelt, kläglich] Ich kenn hier auch niemanden!”

Also die Szene zwischen den 2 Telefonierenden ist wirklich wunderschön koordiniert. Das Zueinanderfinden. Das Abdriften. Erinnert mich an diesen tieftraurigen Moment in Tatsächlich Liebe wo sie endlich Karl (den Designer) mit nach Hause nimmt und dann doch mit ihrem kranken Bruder telefoniert.

3001: “Da ist so ein Zigarettenautomat und er drückt.”
eineinhalb: “Ich drücke.”
3001: “Und es fallen raus: 5 Kondome für 6€.”
eineinhalb: “Mehr als 1€ pro Kondom.”
3001: “Und es kommt eine Frau die sagt: Kauft bloß keine Zigaretten, der Automat gibt mir immer nur Kondome.”
eineinhalb: “Und wir so: Jaja, das passiert uns bestimmt nicht …”

warum punk?

Also Till hatte erzählt, also, dass er die Andern gar nicht kennt. Die andere Truppe. Dafür machen sie den Szenenwechsel ziemlich elegant. Das große Banner, das den Raum für das erste Stück wie ein Paravent begrenzt hatte, wird entfernt und öffnet den Raum für die Tiefe. Dadurch entstehen aber auch 2 Säulen, die vorher noch Teil einer Wand waren.

“Versuchung sollte man nachgeben, wer weiß ob sie wiederkommt”

Junge Junge kann der gut sprechen, der da den Eröffnungsmonolog macht. Es geht um eine Theatertruppe. Um einen Schüchternen der ihr beitritt. Und um Bowie. Mal wieder

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Bowie ist unser Gott.

Du so: “Ich seh eben aus wie ein fucking Moviestar”
Und ich so:“Du arbeitest in einem fucking Kopiershop”
Und er dann so: “Du siehst aus wie ein… Buchhalter”

Es ist schockierend gut.

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“Jesus, Maria und Josef, wie siehst du denn aus? Ist das Oxfam?!”

Wenn der Papa rumschreit, ja. Ja dann ist das ein gut moduliertes Schreien. Mit Höhepunkten und stillen Phasen. Das ausbricht und eindämmt. Vor 2 Jahren hatte Liam mal ein Stück gespielt, da ging es um ein ziemlich misslungenes Laborexperiment. Und das Stück war gut und alles. Aber Junge wurde da geschrien.

Sie so: “Meine Mama begab sich in Maltherapie”
Und sie so: “Was malt sie so?”
Sie dann wieder: “Vaginas!

Alle: “BOWIE IST UNSER GOTT!!!!!!!”

Sie: “Paula, Paula und ich sind Exhibitionistin”

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Wir glauben ja, dass Till in echt ein Fuckboy ist und uns nur etwas vorspielt.

Sie (schon wieder): “Ich will es der ganzen Welt erzählen, Lenni!”
Lenni: “Sag das bloß keinem!”

Mama: “Was machst du?”
Er: “Ich gehe rückwärts.”
Mama: “Das sehe ich”
Er: “Solltest du auch mal machen”
Mama: “Wieso?”
Er: “Du gehst nicht mehr auf die Dinge zu.”

Er: “Ich fühle mich wie ein Ei. Ich möchte von innen explodieren.”

Was inspieriert dich? Jacque Brelle, Kabaret und Punk. Wer Jacque Brelle ist, das weiß er gar nicht, sagt Till später.

Till übergießt sich mit selbstgekochtem Kunstblut. Wirft Mehl. Ich glaube, das wollte er immer schon mal machen. Ich hatte ihm ja vorgeschlagen, sich mit Dildos zu zerstechen und die danach aus einem Koffer zu verkaufen.

Die Kommission: “Warum Punk?”
Er: “Ich mag hässliches”

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Er (ist): “Dunkel, melancholisch und absolut romantisch”
Er (macht): “Ich machte meine ersten Projekte mit Zazou… “
Ihr (thema): “Ihr Thema waren Vampire Cats”
Z: “lass uns Katzenfutter essen und dann zu Dark Pussy Cats werden.”

Z: “Lauter, du bist Satan!”

Gutes Aussehen alleine ist uns keineswegs genug

Wir essen ihre Kunst. Erst mal klatschen jetzt. Mann war das gut. Till hat das ja ein bisschen kleiner verkauft.

brezn

Wir stehen draußen. Rauchen. Sind ja beim Theater hier. Essen Brezeln. Sind ja beim Theater hier. Ich erzähle, dass man, wenn man auf Salz beißt, einen elektrischen Schlag bekommen kann. Werde komisch angeschaut. Dachte, wir sind doch beim Theater hier.

A Brezn is a typisches boarisches Laugngebäck und wead vom Beck aus am Doag aus Woaz, Geam, Wossa und Soiz gmocht. Voam Bocha kimt de Brezn no in a Laung und griagt omdrauf no a groubs Soiz. Brezn isst ma za de Weißwiascht, zan Lebakaas, zua Broudzeid oda oafoch grod ois Budanbrezn. De Brezn is seit Ofang vom 14. Joarhundat bis heit as Zumftzoachn vo de Begga.1

“Wie heißt der?”
“Wer?”
“Der mit den Locken”
“Till”
“Hab dir gesagt, der ist gut”

Wir sind stolz ein wenig.

1Quelle: bar.wikipedia.org/wiki/Brezn

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