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Dec

92 | Notizen zu Lazarus (D)

Zusammen mit dem Iren Enda Walsh schrieb David Bowie kurz vor seinem Tod ein Musical, das an die Geschichte des Films “Der Mann, der vom Himmel fiel” von Nicolas Roeg anknüpfte, in dem Bowie die gleichnamige Hauptrolle spielte. Newton, auf die Erde gesandt um Wasser zu finden, verliebt sich, scheitert an der menschlichen Zivilisation und verweilt als Unsterblicher unter uns. Seine Dämonen verfolgen ihn, er bezwingt sie (vermeintlich) mit Gin und Frühstücksflocken. Am Deutschen Schauspielhaus aufgeführt als Spektakel in der Zwischenwelt, das sind die Notizen, komplette Kritik kommt die Tage. Aktueller Arbeitstitel: “A man lost in time wie im KDW”.

Seite 1

“Was machst du jetzt, liest du all die Bücher, die du immer lesen wolltest” “Ich sehe fern und trinke Gin”

“Du ernährst dich von verfickten Lucky Charms

jetzt ist jetzt ist jetzt ist jetzt ist jetzt ist jetzt ist

Es ist wie in der Kirche, ich frage mich, ob man klatschen darf

“Ha! Schlampe…”

Die Beziehung der Assistentin zu ihrem Mann erinnert an ‘Liebe im Büro’ von Loriot

‘This is not America’ wird als trockene Feststellung beim Eingang in die Traumwelt gespielt. Einziger Moment an dem Musik und Handlung mit Augenzwinkern verknüpft wird.

Pussy Riot Verschnitte mit ‘Fuck Söder’ Shirts entern die Bühne

Seite 2

Interessantes Spannungsfeld zwischen dem Jugendstil Interior und dem blauen Ziggy Stardust Laufsteg

Der verkackte Händedruck bei Eintritt in die Traumwelt.

Grandiose Fallszenen

“Hi, darf ich reinkommen, ich kann nicht schlafen”

Bowie, im Schlafanzug mit Ginglas, beobachtet Bowie in Leder, der seine Freunde fickt.

Scharfe Dialoge, gute Musik, was will man noch mehr?

Seite 3

Ich bin gespannt am welchem Punkt es nicht noch abstruser werden kann.

“Haben sie keinen, der zuhause auf sie wartet” “Ich hab wohl so eine Art Ehemann” … “Wie ist das so jemanden zu lieben - und die Liebe wird erwiedert?”

Teils doch sehr holzige Tanzeinlagen

Die Hintergrundtänzer wirken irgendwie hart gelangweilt, sehr schlacksig. Vielleicht weil gerade Weihnachten war… Ich habe noch nie so unmotivierte Hebefiguren gesehen

Eine Besinnung auf bessere Tage. Drehbühne, Bodenklappen, aufwendige Kostüme,große Masken und echte Musik.

Bowie auf seiner kleinen Insel zwischen den Welten, dem Freischwinger aus transparentem Polyacryl.

Seite 4

“Ich habe schrecklich Angst, HIER sterben zu müssen.”

“A man lost in time wie im KDW”

150 Mio km

Weltüberdrüssigkeit

“Erzähl mir was, was ich noch niemandem verraten habe”

Besoffene Astronauten lungern in der Szenerie während Bowie einen Hirschkäfer zureitet.

Pause

Seite 5

In der zweiten Hälfte sind weitaus mehr Ziggy Stardust Anleihen zu finden (Stern auf dem Boden, Maske).

Die Farben der Videoprojektion stammen direkt aus der finalen Szene von A Space Odyssey

“Passen wir nicht in eure Tropicana-Party ?!”

Seite 6

Valentines Day ist mit Abstand die beste Performance

“Die Rakete ist eine Lüge”

Hoffnung | Nein

Hoffnung | Nein

Hoffnung | Nein

Hoffnung | Nein

Hoffnung | Nein

Hoffnung | Nein

Hoffnung | Nein

Hoffnung | Nein

Hoffnung | Nein

Hoffnung | Nein

Ist Merlin seine Tochter? Wegen diesem, erzähl mir etwas, wo sie erzählt hat, dass er seiner Tochter immer von den Sternen erzählt hat.

Das finale Heroes zeigt leider das Potential, dass die anderen Songs hätten haben können. Vielleicht ist auch das auf Weihnachten zurück zu führen.

Der größte Applaus hätte der Band gelten sollen, als die sich aber einzelnd verneigte, schwoll die Lärmkulisse kein wenig an. Schade.

Nachbetrachtung

Sie machen ganz viele Töpfe auf, aber doch ohne auch aus nur einem einzigen Marmelade aufs Brot zu streichen. Da ist eine Marlene Dietrich Maske. Da ist ein Kill Bill Anzug.

Sind die Projektionen wirklich nötig? Die Lichtwürfe direkt auf die Szenerie sorgen für enorme Tiefe. Aber sonst? Die “Analogfernseher” referenzieren nur, jedoch ohne jeglichen weiteren Bezug. Und ob ich nun wirklich einen projezierten Mond in der Ecke brauche? Vielleicht hat das Deutsche Schauspielhaus irgendwann mal einen VJ unter Vertrag genommen und kommt da jetzt nicht mehr raus. Und um kein Geld zu verlieren muss der jetzt halt für jedes einzelne Stück Videoinstallationen basteln.

Der Netflix-Witz war komplett für die Katz. Aber, dass es ihn gibt beweist doch, da er ja wohl kaum im ursprünglichen Lazarus stehen kann, dass sich da jemand hingesetzt haben muss, und sich gedacht hat, da pack ich jetzt ne Neuzeitreferenz rein. Und dann hat er halt diesen Witz gemacht, der nur die paar Twentie-Something-Lacher aus dem Publikum geerntet hat, die sich im Theater verzweifelt an alles klammern, was ihnen irgendwie bekannt vorkommt. Stattdessen wurde eine komplett offensichtliche Referenz vollständig ignoriert: Newton ist Milliardär, hat jede Menge Firmen, alles was er anfässt, macht er zu Gold und er baut Raketen. Für mich klingt das ziemlich stark nach Elon Musk (Gründer von PayPal, Tesla, The Bohring Company, Hyperloop, baut und verkauft auch Flammenwerfer, und ist halt eben auch der Gründer von SpaceX).

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