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Dec

89 | Irgendwo ist da Hoffnung (Timmy)

Timmy glaubt nur, was er fühl’n kann. Wenn jemand Angst hat, dann sieht er’s ihm an. Timmy ritzt sich ein Kreuz in die Stirn. Er boxt mit dem Spiegel, bis er ohnmächtig wird. Timmy zerreibt Magnesium, mischt Mehl drunter und rührt es um. Destilliertes Wasser und Ethanol, durch einen Trichter in ein schwarzes Kondom.

Irgendwo ist da Hoffnung, zwischen diesen Zeilen. Von »Timmy« von »Die höchste Eisenbahn«. Zumindest für mich jetzt. Ist halt einfach so ein Track, der irgendwie raussticht, aus dem Pop-Pool. Macht sich ja eigentlich sonst keiner die Mühe, über so Dünnbrettbohrer, wie Timmy einer ist, zu schreiben. Nur die von »Die Höchste Eisenbahn« halt. Find ich gut sowas.

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Weil: Zwanzig Jahre später: Timmy wohnt auf einer Insel, auf den britischen Jungfern, in einer 18-Schlafzimmer-Villa. Kein Wunder, dass er da manchmal seine Brille nicht findet. Seine Kinder hab’n Englischunterricht bei Kate - Kate Winslet. Er hat das weiße Klavier von John Lennon und von Beuys den Goldhasen. Er hat drei Kinos, zwei Flugplätze und eine Raketenbasis. Einen Rennpferdestall, ein Becken mit Tigerhaien und durch den Speisesaal fliegen Aras, die den ganzen Tag schreien

Timmy

Timmy

Timmy

Timmy

Timmy

Timmy

Timmy

Timmy

Timmy

Timmy

Timmy

Timmyyy

Scheiß egal, was du jetzt machst. Kannst auch so ein Fanatiker sein, wie der Vogel in der Mönkebergstraße, mit dem Holzkreuz. Oder Drogen schmuggeln, Bomben bauen, Alchemie betreiben etcetera (jeder hat da so seine eigene Theorie, was die Stelle mit dem schwarzen Kondom jetzt genau heißen soll). Egal. In 20 Jahren sehen wir uns wieder, dann sind die Karten neu gemischt. Man sieht sich immer zweimal.

So ein bisschen wie Klassentreffen. Wo die, die immer einen in den Nacken bekommen haben, die Modeltöchter der Schauspielerinnen, die die, die immer vor der Schule geraucht hatten, damals total geil fanden, mit dem Geld zum Essen ins Yukimura einladen, dass sie mit den Ideen verdient haben, wegen denen die, die damals schon gaaaanz viel Sex hatten, sie immer für ein paar Spinner gehalten haben.

Ja, irgendwie ist Timmy die hörbare Version von Spinner (Revolverheld).

Das Wie ist doch egal. Wie hat Timmy diese Luxusvilla bekommen? Woher kennt der Kate Winslet? Und wozu brauch er seine Raketenbasis? Ist doch egal. Er hats sich verdient, er war mal ein Niemand!

Moritz denkt ja, dass er ein Arschloch ist. Weil er hat die exotischen Tiere, er hat die Kunstwerke… Er hat eine Raketenbasis, das macht ihn ein bisschen unsympathisch, sagt Francesco (aus dem Interview bei tidal).

Das »(lacht)« habe ich jetzt mal großzügig aus dem Zitat entfernt, Benjamin v. Stuckrad Barre (aka BvSB) wäre proud.

Aber Arschloch hin oder her, was für mich zählt ist, dass egal wo du jetzt bist; in 20 Jahren kann viel passieren. Laotse hat mir mal gesagt:

“千里之行,始於足下”

Also, dass selbst eine Reise von tausend Meilen unter meinem Fuß beginnen würde. Schön, oder? Auch so ´n bisschen Hoffnung drinne. Nicht so viel wie bei Timmy jetzt, aber schon ne gute Menge. Also auf jeden Fall wollen wir Timmys Reise nicht wirklich kennen. Uns reicht das Resultat. Denn Timmy ist einer von diesen guten Typen, die die Welt regieren, von denen man aber nicht wissen möchte, was für einen Weg sie gegangen sind. Weil man sie irgendwie sympathisch findet und nicht enttäuscht werden möchte, meint Francesco (aus dem Interview auf intro).

Vielleicht so ein Elon Musk. Der hat ja auch eine Raketenbasis. Und ich will auch gar nicht mehr wissen über den als, dass er einer ist, der den Arsch hochbekommen hat.

Hab neulich mal zusammen mit DJ Craft gefrühstückt. Der isst auch einfach Croissant mit Marmelade und ´n´ Kaffee (schwarz). Hatte mehr erwartet (irgendwie). Aber wenn du bekannt bist, dann gibt es halt einfach Kate. Nicht die Kate. Einfach Kate. Kate Winslet eben. Die kennt doch jeder. Und wenn nicht jetzt, dann bestimmt in 20 Jahren.

Nils Mohl (huhu Nils) hat im dritten Teil von seiner Liebe, Glaube, Hoffnung Trilogie, »Zeit für Astronauten«, dieses schöne Kapitelformat, Futur II nennt er das. Da geht’s immer um dieses Hätte Hätte Fahrradkette. Was, wenn von diesem Moment aus, ein vollkommen anderer Lebensweg eingeschlagen worden wäre, als der, der es dann tatsächlich wurde. Frag ich mich manchmal.

In der Teilchenphysik gibt es diese Viele Welten Theorie. An sich ist das so, dass wann immer es zwei (oder mehr) Möglichkeiten gibt, einfach zwei (oder mehr) Paralleluniversen entstehen. Und dein Lebensweg in jedem dieser unendlichen, parallelen Möglichkeiten, ein vollkommen anderer war. Das Leben ist ja eine reine Kausalkette, wenn man das jetzt mal rational betrachtet. Und da finde ich es schon spannend, wie das Eine zum Anderen führt.

Hab irgendwann mal einen gesehen, der sich total über E. L. James aufgeregt hatte, weil sie in 50 Shades of Grey andauernd »und Eins führte zum Anderen« schreibt. Der meinte halt, sie sei Autorin, es sei ihr verdammter Job zu sagen, Wie das Eine zum Anderen führte. Würde jetzt normalerweise keine Lanze für die James brechen, aber man muss ja sagen, dass Erotikliteratur auf das Kopfkino angewiesen ist, insofern ein bewusstes auslassen gewisser Details das Ganze ja eher besser macht.

So ist das irgendwie auch bei Timmy. Ich kann mir selber überlegen, wie genau er das jetzt dahin geschafft hat. Weil der Teil der Geschichte bleibt meiner. Wichtig ist mir nur, dass ich weiß, wenn ich mich nachher wieder in die Küche stelle und Magnesium in Kondome fülle, meine Kinder trotzdem gute Bildungschancen in er zweiten Fremdsprache haben werden. Zumindest hoffe ich das.

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