01
Nov

85 | Mischtonträger XI

Es war wieder Dienstag, also sprach Zarathustra von Mineralwasser. Er liebte es, wenn sie sprach. Von Spurenelementen. Institut Fresenius, Flaschenhalsgestaltung und Kohlensäuregehältern. Von Magnesium. Wie der Junkie den goldenen Schuss setzt, so setzte diese Frau den Goldenen Pfeil in sein Herz. Ganze Galaxien hatte sie vorsichtig, in kurzen Rucken und ohne ihn zu sehr zu schütteln, in ihm geöffnet. Sie macht ihn einfach glücklich - with wordplay. Doch heute, an diesem Dienstag, da spricht sie nicht von Mineralien und macht auch keine Wortspiele. Sie sagt: “Duweißtwieesumunssteht”, “Ja, du bist Das einzig Heilige, dass ich je sah”, antwortet er. Und doch nennt sie ihn einen Freak, sagt ihm er solle jetzt nach Hause gehen. Aus dem kleinen Diner, mit den Neonbuchstaben, direkt hinter der Autobahn. Aber wie bald ist schon jetzt? Ihr ist doch sein ganzes Herz! Er liebt, sprudelnd, ist keine Maschin. Am Ende ist es doch Liebe, die uns entzwei reist. Liebe zur Frau, zur Familie, ja von mir aus sogar die Liebe zu Gott, Mohammed, Jesus etc. Wir hinterlassen ja doch nichts, vielleicht dank der Deutschen Verwaltung gerade eben noch Papierspuren. Er fährt zurück in die Ein-Zimmer-Wohnung. Im blau-grauen Sp2500 Coupé. Verdeck offen. Wind. Und dank der Deutschen Verwaltung 270 km/h.

01
Oct

81 | Mischtonträger X

Im lila T-Shirt trete ich aus meiner Privatwolke. Komplett high vom Tanz in den Sternen. Ich weiß nur eins, Selbstkontrolle ist gut, aber Vertrauen ist der Schlüssel. Beobachte eine doppelte Astralbewegung, verursacht durch bitterböse Waldmagie von Gestern. Sie erschüttert unsere gemeinschaftliche Einheit bis in die Grundfesten. Doch das Ziel ist fast erreicht. Noch 78 bis Stanley Bay. Dann lassen wir das gottverdammte Dada auf die Modelle am Kraftwerk los. Ich ziehe mein magisches Schwert aus der Unendlichkeit hinaus, kurz bevor wir das Schlachtfeld erreichen. Sind zwar uneingeladen aber wir schaffen das trotzdem. In meiner Hand ein Umschlag, adressiert an Zorbas, den Griechen. Noch 33 bis zu Gott. Es regnet Alienkugeln vom Himmel. Ihre neuen Kommandanten scheinen uns zu kennen. Sie sind hoch oben, reinigen vor dem anstehenden Kampf ihre Seelen im Ritual. Pilzwolken erblühen am Horizont. Mich motiviert nur noch der Luxus, als wir endlich ankommen. Ich spüre den Voodoo in meinem Blut, fühle mich gut, ganz inklusive. Die alten Editoren sind tot. Starben im massiven Angriff. Ich rufe endlich an. Und du. Bitte. Bitte Geh ran.

19
Sep

79 | Der ästhetische Drive By

In der Musik ist die Stille genauso wichtig wie der Ton. Die Minimal Music hat dieses Konzept erforscht, John Cage in vier Minuten und dreiunddreißig Sekunden es hörbar gemacht. Oh Wonder hat den Minimalismus in die Pop-Musik gebracht. Und das Berliner Produktionstrio KitschKrieg. Die machen ihn jetzt hip. Schon der Projekttitel, KitschKrieg, lässt Rückschlüsse auf definierende Elemente zu. Den Kontrast, wie zwischen Gun`s und Rose`s, so zwischen Kitsch und Krieg. Die Flexibilität, Weite des Feldes, der Streufaktor. Kitsch und Krieg, das sind Wörter, die im Englischen und im Deutschen vorkommen. Und der Kontrast. Zwischen Kitsch und Krieg. Zwischen Trash und Kunst. Zwischen Ton und Stille.

01
Sep

76 | Mischtonträger IX

Ich weiß nie was ich hier rein schreiben soll, in diesen einen Absatz Text zum Mixtape. Ich kann nicht gar nichts schreiben, sonst gibt es nichts für den Newsletter und die Hauptseite. Aber der Inhalt ist ja die Musik und nicht der Text. Ich könnte erzählen warum gerade dieser Song. Aber ich glaube nicht, dass das wen interessiert. Darum diesen Monat an dieser Stelle ein Witz, denn einen guten Witz sollte jeder kennen: War ich neulich bei meiner Affäre, da kommt ihr Mann zu früh nach Hause. Sie schmeißt mich raus, schnell raus aus dem Fenster. Und so steh ich dann da. Nackt. Im Regen. Wohngegend, keine Ahnung wie ich nach Hause kommen soll und irgendwie fällt das ja auf, so ein nackter Mann im Vorgarten. Ich fange also an zu joggen. Nach ner Weile überholt mich eine Gruppe Jogger. Einer fragt: “Sach mal, joggst du immer nackt?” “Ja, schon eigentlich” antworte ich. “Und auch mit Kondom?” “Ne, das nur bei Regen”. Und damit, das Mixtape für August:

23
Aug

75 | Der Versuch, ein Pflaster abzureissen

Dennis ist eigentlich Nazi, geht aber trotzdem gerne tanzen. Am liebsten Club Hamburg. Viele Titten, sagt er. Sein aktueller Dauerbrenner und Aufreißgarant? Bella Ciao im Hugel Remix. Da kann man schön den 48er Bizeps zu flexen, sagt er. Und die Mäuschen mit dem Arsch wackeln. Auch im Benza kommt der ganz gut. Auf seinem Tinder-Profil kann man lesen, dass an Dennis Brustmuskeln die Schrotsalven zerplatzen wie Tontauben. Bitch. Klassischer Kollegah. Dennis Rücken ist stabil. Einen politischen Haltungsschaden kann man ihm trotzdem vorwerfen. Wenn er wählen geht - heimlich - dann die AfD. NPD darf er ja nicht mehr. Die ganzen Schwarzhaarigen Kanacken können schön in ihrem eigenen Land bleiben, meint Dennis. Und ihn nicht im Club stören. Ob die schwarzhaarigen Frauen denn hier bleiben dürften? Na sichi! Wenn er weiter in den nächsten Club zieht, verabschiedet er sich von seiner Eroberung meistens mit einem Zitat aus seinem Lieblingssong. Ciao Bella. Das ist sowas wie sein Signature-Move erzählen seine Jungs lachend.

04
Aug

71 | Mischtonträger VIII

Manche Monate leben sich länger. So wie der Vergangene. Die Musik aus seinem Mixtape kommt aus allen Ecken meines Lebens. Diskhat1 aus dem Saal 2. Die Morgenstimmung von Edvard Grieg aus den Erinnerungen an die Abiparty. Trackbeziehungen zwischen Trettmanns “Billie Holiday” und Billie Holiday`s “Strange Fruit”. Zwischen Princess Nokia`s “Green Line” und Hayiti `s “City Tarif”. Der Tron Soundtrack, tanzbarer Minimaltechno und afrikanischer Jazz (Ebolala). Manche Monate leben sich bunter. So wie der Vergangene.

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