22
Mar

110 | Wie man Kunst betrachtet

Für alle die, die nicht wissen, wie man Kunst zu betrachten hat. Denn es ist schwer. Keine Frage. Wer sagt: “es gefällt mir einfach”, wirkt ungebildet. Wer sagt: “Der Künstler setzt sich hier radikal über das Clichee hinweg”, will gebildet wirken. Wer hier häufiger ist, war hier noch nie - oder nur einmal, das aber nur zum Essen. Wer etwas schon einmal irgendwo anders gesehen zu haben meint, liest am Kiosk die erste Seite des Feuilleton. Wer einen Audioguide benutzt, hat Angst vor der eigenen Meinung. Oder ist über 50.

24
Feb

103 | Mikail Akar in Nissis Kunstkantine

Ich hatte die letzten Tage ja häufiger über diese Ausstellung mit Leuten geredet. Immer ein bisschen Meinung verbreitet. Ist ja schon kontrovers. Ein 6-Jähriger, der mehr verdient als du. Da fühlen sich viele schnell auf den Wollschal getreten. Aber ich war noch nicht selber da gewesen. Mittwoch dann doch ganz spontan mit Kai. Und es war, wie zu erwarten, eine Ausstellung, die kontrovers diskutiert werden konnte. Mit Kai. Mit Nissi, der Galleristin. Und eine Ausstellung, über die diskutiert werden kann, ist meiner Meinung nach immer eine gute Ausstellung. Weil sie die Möglichkeit bietet, das Bekannte zu überdenken. Und das ist etwas, das ich (und viele andere auch) von guter Kunst scheinbar erwarten.

20
Feb

102 | ABC-Festival, der Samstag

11:17
K: “Hallo Johannes, hier ist Kai. Ich steh gerade mit circa 20 Leuten vor der Fabrique. Wo bist du gerade.”
J: “Bett.”

12:09
Wir haben noch 2 Stunden, dann ist Vernissage.

12:17
Sina bringt ihre Tierköpfe vorbei. Die waren gestern noch in Braunschweig.

12:45
So zwei Heinis helfen uns beim Aufbau und wollen dann Freibier danach. Wir denken uns easy. Aber die hatten Hausverbot, erfahren wir später.

12:51
Marlon und Malte sind da. Und haben noch zwei Leinwände dabei. Oh. Und eine Neonröhre mit Wackelkontakt und Betonfuß. Oh oh.

13:21
Ich hänge jetzt hinter der Schreibmaschine und tippe für alle Sachen noch schnell so kleine Schildchen.

13:33
Die Betonleuchte hat keinen Wackelkontakt mehr. Wir treten gegen. Es passiert nichts. Wir sind jetzt traurig.

13:59
Wir sind never ever um 14 Uhr durch.

17
Feb

101 | ABC-Festival, der Freitag

11:03 J: “Jo, Kai, ich bin ein bisschen später, willst du auch einen Kaffee” K: “Bin auch etwas später” J: “Aber willst du jetzt einen Kaffee oder nicht?” K: “Bin so ne Dreiviertelstunde später” J: “Ja dann nicht, da wird der kalt” 11:31 Ich spüle. Habe neue Spülschwämme und Spülmittel und (irgendwie leicht feuchte) Lappen mitgebracht. 11:49 Kai ist jetzt da. 13:57 Till ist jetzt da. 14:03 Die fahren jetzt Beleuchtung holen.

01
Feb

99 | ABC-Festival, der Donnerstag

17:03
“Schrauben und Dübel seh ich hier nicht.”

17:29
Carsten zeigt uns das MOM. Wir hätten auch sehr gerne saubere Wände und Tageslicht. Wir haben kostenlosen Weißwein.

17:56
Lenni und Daniel basteln ein bisschen an der Technik.

18:23
Wir gehen zu Karstadt und kaufen ein: Stempelkissen, Moosgummi (für den Stempel).

18:29
Wir gehen zu Claas Olson und kaufen: Straßenmalkreide.

18:36
Wir gehen zu Idee und kaufen: alle Architektenklammern.

23
Jan

97 | wie veranstaltet man eigentlich ein Festival?

Vor 2 Jahren hatte ich für die Jugendgruppe der Kirche am Wandsbeker Markt den Partyraum neu gestaltet (ist auch ganz gut geworden). Als Danke hätte ich dann da was drinne’ veranstalten können, für lau halt. Hatte dann auch schon Pläne gemacht mit Kai. “Output” sollte das heißen, so ‘ne kleine Vernissage, einfach wir und ein paar Freunde. So ‘n bisschen Kunst ausstellen halt, du weißt schon. Dann hatte bei der Kirche auf einmal die Leitung gewechselt. Und die neue Leitung war der Meinung, mit ihr wäre das jetz’ aber nich’ abgesprochen gewesen ne. Damit war “Output” erstmal Geschichte. Und der Grundstein für das “ABC-Festival” gelegt.

16
Jan

96 | Fuck the Canon - Royal Academy Summer Exhibition

I was in London a while ago, staying for a few Days. It was rainy and cold for the first time in months, which, while I enjoyed the more normal London climate very much, made being outside uncomfortable, so we went to see the 250th Royal Academy Summer Exhibition. It was a revelation.

26
Nov

87 | Der exaltierte Voyeur

Wer nicht, wie wir, die Ausstellung von Innen nach Außen begeht, sondern vom Eingang aus, der wird von der Transparent City Serie begrüßt. Eins der ersten Bilder zeigt eine nächtliche Skyline. Und ist an Austauschbarkeit kaum zu überbieten. Desktop-Hintergrund-Fotografie. Spätere Bilder werden stärker. Aufnahmen von Glas-Hochhäusern, direkt von gegenüber. Daneben, stark vergrößert, einzelne Portraits einzelner Bewohner. Entstanden durch extreme, digitale Vergrößerung. Ein erster Versuch der Charakterisierung. Der jedoch am fehlenden Kontext scheitert. Es wird keine Lebensgeschichte erzählt. Kein Blick in die Wohnung gewährt, die Personen hängen oft neben Bildern, in denen sie gar nicht zu finden sind.

17
Jun

61 | Schriftzeichen aus Stahlbeton (VRHAM)

Wir betreten das VRHAM Festival durch einen dumpfen Tunnel. Achtung, Zitat: “Virtual reality is like dreaming with your eyes wide open”. Das “Open” leuchtet uns in geschlungen-orangen Leuchtbuchstaben entgegen. Willkommen in der neuen Realität, es ist offen. Und umsonst. Und noch leer. Denn es ist Eröffnungstag. Wir haben uns extra beeilt, hatten auf Konfetti und Banddurchschneiden, wie sie das mit den neuen IPhones immer machen, gehofft. Oder auf Goodie-Bags. Warum gibt es eigentlich keine Goodie-Bags mehr auf Geburtstagen, so wie das früher immer war? Links die Bar mit hippen Limos und Weißweinchen, Rechts ein blau erleuchtetes Zimmer im Biedermeierstil, in dem schon die Ersten in das hineinstarren, was wohl bald die Welt so stark verändern wird, wie einst das Feuer. Tief hinein starren sie, in die virtuelle Realität. Gott sei Dank starrt noch nichts zurück. Prometheus brachte dem Menschen einst das Feuer. Und ich bringe diesen Bericht vom VRHAM! Virtual Reality & Arts Festival:

09
May

49 | Kontemporärer Bericht vom New Walls

Ich gehe eher ungern zu Kulturveranstaltungen in den, als besser gestellt geltenden, Bezirken. Und noch weniger gerne zu welchen, wo die Eintritt nehmen. Der “Disco Flow-Markt”, ja ganz aufregend mit “W” statt “H”, hieß so, weil da irgendeine total angesagte DJane, um den geschlechtsspezifischen Begriff zu verwenden, aufgelegt hat. Wobei ja von Auflegen nicht die Rede sein kann, weil man ja nur einen USB-Stick reinsteckt. Und hoffentlich auch wieder sicher entfernt. Also hat die total angesagt DJane da halt Reingesteckt. Na auf jeden Fall war dieser Disco Flow Markt eine Kulturveranstaltung dieser Art und enttäuschend. Da waren nur “Influencer” von Instagram und so kleine Designkollektive, wo zwei Mitzwanzigerinnen mit Bob-Schnitt inspirierende Botschaften im Handmade-Look und Schwarz und Gold und Postkartenformat verkaufen. Vor der Tür haben die bärtigen Freunde der ganzen Influencerinnen und Designerinnen gevapet. Ehrlich, wenn vor der Tür Männer mit Bart und Chicago-Bulls Cap vapen, dann geh da nicht rein, da ist das immer scheiße. Aber das New Wall Festival war besser. Obwohl das am Neuen Wall war (man erkennt nun die Genialität der Namenswahl, Chapeau!) und 5€ Eintritt kostete (dafür hätte ich eine ganze Grußkarte in Schwarz-Gold bekommen können!). Aber vor der Tür hat keiner gevapet.

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