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Mar

107 | Weihnachten in Flip-Flops (Fridays For Future)

“Also der versucht da diese Finka auf Panama zu verkaufen. Erzählt denen dann immer, ja, da lebst du besser, das verträgt sich auch suuper mit einem veganen Lebensstil. Und wenn das nicht zieht, dann macht er den Leuten Angst. Sagt dann immer, ja der Wasserstand steigt ja auch, Klimawandel usw. Denk an deine Kinder, also iich, ich hab ja keine.” Wir sitzen in der Karoecke, ich schreibe, Kira liest, es ist Montag. Vor 3 Tagen war ich auf der Fridays For Future Demo in Hamburg und habe berichtet. Neben mir reden Zwei aus der Generation, der so viel vorgeworfen wird, über die Finka in Panama. Und über die letzte Demo. Ob das so gut ist. Na Hauptsache, die Kinder machen was.

In Anbetracht des Faktes, dass es eine ungeschnittene Podcastepisode gibt, die die ganze Demo ziemlich gut zusammenfässt, werde ich hier jetzt mal nur ein paar Eckdaten hinpfeffern und alles andere Metatext werden lassen. Für den Rest empfehle ich den gelbes leuchten Podcast auf Soundcloud (oder Spotify oder ITunes).


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Der Podcast von der FFF Demo (die kurze Version)

Die Orga hatte mir noch am Tag davor gesagt, das würden irgendwie 1000 Leute so π mal Daumen werden. Waren dann wohl fast 4000. Warum? Der große Protest, der internationale Protest, ist ja erst am 15.03. Ja weil Greta da war. Greta Thunberg ist Klimaaktivistin, 16 und Zielscheibe aller verwirrten, Alten. Und halt eben auch die Erste gewesen, die statt Schule, protestiert hat. Der Rest hat’s ihr dann nachgetan.

»Es ist interessant: Immer wenn die Schulstreiks als Thema aufkommen, reden fast alle politischen Führer und viele Journalisten über alles mögliche – außer über den Klimawandel.« 1

Greta fand ich ganz sympathisch. Wir haben uns dann aber aktiv dagegen entschieden, was mit ihr zu machen. Die wurde erstickt in Kameras, Mikros und toten Katzen. Und immer nur so 1 bis 3 Fragen, so flacher Scheiß, den keiner wissen muss. Für eine echte Auseinandersetzung, die sie ja selber auch fordert, wäre keine Zeit gewesen. Sie schaut immer so schön schlecht gelaunt, das versaut die ganzen Pressefotos. Das finde ich ganz wunderbar. Ihre Rede war mehr so Mittelmaß. Aber deswegen war sie ja auch nicht da.

Der Rest der Presse hat halt vorne mit den Kameras rumgegeiert. Konrad sagt, das ist okay, und er hat recht. Damit verdienen die halt ihr Geld. Trotzdem hatte man nicht das Gefühl, das hier sonderlich viel ernst genommen wird. Luise hat das dann auch in ihrer (längeren) Rede gesagt:

»Viele Menschen fragen uns, ob wir ernst genommen werden […]. Das muss die Politik beantworten […].«2

Ich hatte gegen Ende fast eine halbe Stunden mit Gustav und Lilli geredet, die hatten eine change.org Petition für Greta gestartet (gegen den Hate). Am Ende des Gesprächs waren wir bei dem Thema, wie universell der Klimawandel als Zivilisationsproblem sein könnte, ob wir evtl. deswegen noch keine Aliens getroffen haben. Weil alle tot (mehr dazu hier). Dann kam die Nächste mit dem Mikro: “Wie war es, mit Greta auf der Bühne zu stehen?”

Es stellt sich die Frage:

1Greta Thunberg bei Bento 2aus der Rede von Luisa Neubauer, 01.03.19

Wen zur Hölle juckt das?!

Was man häufig hört: Die sind nur hier, weil Schule geschwänzt werden kann. Die wollen nur saufen.

Was ich gehört habe: Nein, die meisten haben echt Ahnung von dem, was hier passiert. Und fänden es im Übrigen voll okay, wenn hier die Leute auch nur zum Spaß wären. Was bewirken würde es ja immer noch.

Was man häufig liest: Greta ist PR Figur, wird vermarktet, macht Geld.3

Was ich gehört habe: Selbst wenn, es ist zu spät um jetzt über sowas zu meckern. Wenn sich jemand eine goldene Nase verdient damit, dass der Planet gerettet wird, ist das komplett okay. Schließlich verdienen aktuell die aller meisten damit, dass der Planet vernichtet wird. Und das scheint auch niemanden wirklich zu stören.

Was man häufig hört: Die weisen nur ihren Eltern die Schuld zu.

Was ich erlebt habe: Ja, es wird klar gesagt, unsere Eltern haben es verbockt. Aber es wird eben auch gesagt, dass es jetzt zu spät für Schuldzuweisung ist. Problem ist da, wir müssen es lösen, egal wer Schuld ist.

Was man häufig hört: Die würden ja trotzdem nichts opfern.

Was da ist: Veganer, Nichtflieger, Selbstverbesserer.

Was Merkel sagt: Hybride Kriegsführung der Russen.4

Bezahlte, russische Agenten: 0

Ich bin ehrlich. Ich glaube nicht, dass die FFF Bewegung irgendwas bewegen wird. Die Wirtschaft wird sich nicht ändern, die Politiker werden sich nicht ändern, die Berichterstattung wird sich nicht ändern. Was passieren wird: wer jetzt auf der Demo ist, der wird in 10 Jahren in Firmen, Ämtern, Redaktionen sitzen. Das Potential war immer da (vegane Brownies, in Unverpackt-Läden einkaufen, “Wandering” Tattoos). Diese Bewegung lässt uns, als digitale Generation, spüren, dass wir auch in analog etwas zu sagen haben. Und aus dieser Demo wird etwas unglaublich wichtiges hervorgehen, dass ich in diesem Artikel von vor einem Jahr, noch für unmöglich gehalten habe. Eine junge, politisierte, aufgeklärte Generation.

Genauso wenig wird diese Bewegung die großen Fragen rund um den Klimawandel beantworten können. Aber sie wird die Diskussion über diese Fragen dorthin tragen, wo die Antworten entscheidend werden:

  • Sollte man ab 16 wählen dürfen? Und sollten eigentlich alle wählen dürfen? Auch die, die tot sind, bevor die Tragweite ihrer Wahl wichtig oder überhaupt erkennbar wird?
  • Ist der Mensch, als Wesen, in der Lage, auf etwas so großes aber langwieriges wie den Klimawandel zu reagieren? Wir sind sehr gut darin, auf unmittelbare Gefahren zu reagieren, gegen schleichende Prozesse sind wir aber nahezu machtlos.
  • Ist die Demokratie als Regierungsform zu träge, um den Klimawandel rechtzeitig zu stoppen?

Was vollkommen egal sein sollte: Dass Greta Thunberg im Zug Sandwich aus Plastikverpackungen ist. Dazu - und zur Bedeutung von persönlicher Verantwortung als Diskussionsgrundlage - hat mein Freund Tilman Immisch diesen Artikel verfasst.

Ob alle nur wegen Greta und um nicht zur Schule zu gehen, oder tatsächlich wegen der Sache selbst da waren, das wird sich diesen Freitag, beim internationalen Klimaprotest zeigen. Ohne Greta. In den Ferien. Egal wie viele übermorgen auftauchen, eins sollte klar sein: unsere Generation wird immer früher erwachsen. Aber übernimmt auch immer früher Verantwortung. Denn das gehört dazu.

3über total-global 4über Heise

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