12
Apr

114 | Chia Samen, Götter meiner Welt

Ich ernähre mich gerne gesund. Das ist wohl nicht besonders originell, eher im Trend. Ich meine, heutzutage, wer behauptet das denn nicht von sich. Ich bin auch jemand, der gerne etwas weiter geht. Gebiet, das mehr Glauben abverlangt, etwas Willensstärke vielleicht. Chia-Samen und so, Galgant soll ja gegen Krebs helfen, Ananas auch, Kokosnuss gegen alles, auch Kakao ein lange unter unseren Nasen bescheiden versteckt gebliebenes Superfood. Intervall-Fasten und normales Fasten, keine Snacks über den Tag, schon gar kein Zucker.

Leicht hat man es dabei ja nicht. Innerhalb der Ernährungswissenschaften scheint es ja fast nie einen Konsens zu geben, dauernd widerspricht sich alles und wird wieder verworfen. Naja wahrscheinlich gibt es schon einen Konsens, verschleiert und überlagert von Pseudo-Pop-Essensberatern im und ums Internet, von denen jeder Haufen von Studien und Erfahrungsberichten anzugeben weiß und eigentlich keiner wirklich vertrauenswürdig erscheint. Lobbyismus gibt’s ja auch viel, bei so Ernährung, da steckt ja viel Kapital drin.

Wie soll man das handhaben, frage ich mich? Chiasamen seien so gesund, aber Chia-Pudding mag ich nicht und bin überzeugt, alle die so tun, tun auch nur so, haben im besten Fall nichts dagegen. Gegen rohe, trockene Chiasamen hab ich auch nichts, esse ich im Joghurt, stiller Spaß einzelne zu zerbeißen. Aber so richtig viel geben tut das meinem Frühstück nicht. Das macht man halt, weil es gesund ist. Aber woher weiß man das? Weil es einem alle sagen? Deswegen wohl. Man fühlt den Effekt von Superfoods ja nicht und wenn, ist es wahrscheinlich Placebo. Dazu bräuchte man ja Vergleich, auf Langzeit, und wie soll man den verlässlich schaffen. Man muss sich einfach auf die Umwerbungen verlassen, glauben. Der Glaube an das Gesunde.

Das muss man vielleicht einsehen, dass das oft nur ein Glaube ist, vielleicht ein wissenschaftlich unterstützter, aber halt ein Glaube, der Glaube an die Ernährungswissenschaft.

Es ist ein Glaube, er spendet Sinn, macht Spaß, bringt Erfolgserlebnisse. Was einem Religion auch geben kann. Chia Samen, Götter meiner Welt. Das muss ja auch nicht schlecht sein.

Und doch will ich etwas weniger glauben, mir nichts antun, weil ich glaube, dass es gut ist. Ich möchte spüren, dass es gut ist, es möchten, auch mal verlangen. Fasten und Intervall-Fasten fühlt sich gut an, nicht Snacken und wenig Zucker fühlen sich gut an und die Willenskraft aufbringen fühlt sich gut an. Ananas schmeckt, Galgant kann auch gut verarbeitet werden, daraus Tee mit Ingwer und etwas Kurkuma, das ist ganz ok, aber nicht zu viel Kurkuma, weil dann muss man sich das wieder antun, finde ich. Kakao-Nibs kann ich auch empfehlen, die geben Frühstücksmüsli/Joghurt wirklich was, wie Chia-Samen das nicht unbedingt tun. Essen was schmeckt. Machen mit Gefallen.

Ich denke man sollte sich nicht zu sehr quälen und einschränken. Und nicht vergessen, sich ab und zu auch mal zu gönnen. Leben, ohne dass man andere beneiden muss, für ihre ungesunde Freiheit. Dann wird es auch einfacher.

Ich gebe euch nicht auf, kleine Chiagötter, ein bisschen Glaube im Leben. Die sind so klein, diese Dinger, schaden werden die bestimmt nicht.

Anders als der noch bevorstehenden Konsum der 2 Fünferpackungen “Extra Spicy Ramen”. Zwei zum Preis von einem, was soll man machen.

teilen.

newsletter.

Deine E-Mail-Adresse wird verschlüsselt übertragen und nicht an Dritte weitergegeben. Durch Angabe deiner E-Mail-Adresse stimmst du zu, E-Mails, diesen Blog betreffend von mir zu erhalten. Weiteres: Datenschutz

kommentare.

Dieser Blog verteilt (kaum) Cookies. Für weitere Infos zu Verwendung und Opt-Out siehe: Datenschutz NO OK