17
Mar

109 | Worüber es sich zu reden lohnt

Das Reden über Kunst ist eine Kunst für sich. Meistens lohnt es sich auch gar nicht. Weil die Wenigsten in der Lage sind, tatsächlich über Kunst zu reden. Sie reden lieber um Ulm und um Ulm herum. Was das Reden über Kunst häufig trübt, das ist das Missverständnis. Nicht etwa zwischen den Gesprächspartnern. Sondern über das Thema selbst. Ein Missverständnis, das nicht entsteht sondern von Anfang an da ist. Ein Missverständnis darüber, über welchen Teil der Kunst es sich eigentlich zu reden lohnt. Und über welchen eben nicht.

Denn Kunst ist nicht gleich Kunst. Die Zeiten, in denen ein Kunststudium einen zum Künstler gemacht hätte, die sind längst vorbei. Und ehrlicherweise gab es sie auch noch nie - diese Zeiten. Kunstwerke (und damit auch Künstler) lassen sich in drei Teilbereiche unterteilen: Kunst als Handwerk (der Künstler als Handwerker), Kunst als Markt (der Künstler als Produzent) und Kunst als Ästhetik (der Künstler als Ästhet). Wobei in der Ästhetik zwischen subjektiver und objektiver unterschieden werden muss.

Kunst als Markt

Kunst ist das, was als Kunst verkauft wird. Je teurer es verkauft wurde, desto bessere Kunst war es1. Das bedeutet nicht, dass das Kunstwerk nach irgendwelchen anderen Kriterien gut sein muss. Nur, dass es sich gut als Kunst verkaufen lässt. Der Kunstmarkt folgt dabei zum einen klassischen Marktregeln, wie etwa dem Prinzip von Angebot und Nachfrage oder dem Konzept des Hype. Hat aber auch seine ganz eigene Dynamik. Die Preise steigen stetig, jeder neue Verkauf ist eine neue Messlatte und der Verkaufspreis wird selten wieder unterschritten. Der Versuch, sich aktiv dem Kunstmarkt zu entziehen, etwa durch industrielle Fertigung, Land- oder Performance-Art, scheitert und erweitert nur die Produktpalette. Selbst das aktive Vernichten des bereits verkauften Produktes führt nicht etwa zur Reklamation, sondern nur zur Wertsteigerung2

Über Kunst als Markt muss nicht diskutiert werden, da der Verkaufspreis eindeutig festzustellen ist. Dementsprechend ist eine Diskussion absolut dadaistisch. Und die Frage, ob es gut ist, wie der Kunstmarkt funktioniert und ob ein bestimmtes Werk einen bestimmten Preis erzielen sollte, ist keine Diskussion über das Werk selbst und soll dementsprechend ein anderes Mal besprochen werden.

1was bedeutet, dass Kunst bis zum Verkauf auch nicht beurteilt werden kann.

2zum Beispiel das geschredderte Banksy Bild.

Kunst als Handwerk

Kunst ist das, was kunstvoll geschaffen wird. Ein jeder, der in einem bestimmten Bereich zu den Besten zählt, wird als Künstler betrachtet. Auch eigentlich triviale Tätigkeiten, wie Pizzabacken oder Schilder halten können, durch Verbesserung der persönlichen Fähigkeiten über einen gewissen Grad hinaus, zur Kunstform werden. Dieser Grad wird über die normale Virtuosität der Tätigkeit und den Effizienzgewinn der Verbesserung bestimmt. Ist die Durchführung weitaus virtuoser als bekannt, jedoch nicht sonderlich viel effizienter, dann kann diese Durchführung ebenfalls als Kunst betrachtet werden. Grundsätzlich lebt Kunst als Handwerk von der Bewunderung des Betrachters, der Überzeugung, dass er das nicht so gut könnte und dem Eindruck, dass er es aber mit genug Übung und ein wenig Talent eben doch könnte 1

Über Kunst als Handwerk muss nicht diskutiert werden, da es möglich ist, ein Besser und Schlechter, ein Geschickter und Ungeschickter, festzustellen. Die bessere Kunst kann damit in Wettbewerben und ohne Diskussion bestimmt werden.

2also ist der Künstler hier nicht Genie.

Kunst als Ästhetik

Was von einem Werk überbleibt, wenn man den Marktwert und die, zur Schaffung benötigten Fähigkeiten abzieht, das ist die Ästhetik des Werkes. Zu beachten ist, dass zwischen der subjektiv und objektiv wahrgenommenen Ästhetik unterschieden werden muss. Ein subjektives Urteil ist zwar sehr wichtig im Dialog über Kunst, sollte aber nicht diskutiert werden. Dass, ob und warum jemand etwas bestimmtes mag ist seine Sache und er kennt wahrscheinlich nicht einmal selber die genauen Gründe.

Zieht man nun auch noch die subjektive Ästhetik aus der Diskussion, dann bleibt das zurück, von dem wir reden sollten: die objektive Ästhetik. Weil die Kunst, die diese objektive Ästhetik in sich trägt, unabhängig von Markt, Fähigkeiten und Geschmack ist, sollte sie universell sein. Ich nenne sie daher: “Die Universelle Kunst”.

teilen.

newsletter.

Deine E-Mail-Adresse wird verschlüsselt übertragen und nicht an Dritte weitergegeben. Durch Angabe deiner E-Mail-Adresse stimmst du zu, E-Mails, diesen Blog betreffend von mir zu erhalten. Weiteres: Datenschutz

kommentare.

Dieser Blog verteilt (kaum) Cookies. Für weitere Infos zu Verwendung und Opt-Out siehe: Datenschutz NO OK